erlich im Interview: Junges Design & nachhaltige Unterwäsche

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Nachhaltigkeit beginnt schon beim Alltäglichsten – also auch bei der Unterwäsche. Zwar sieht man sie meist nicht auf den ersten Blick, dafür spürt man sie umso mehr. Direkt auf der Haut getragen ist sie wohl mit das Intimste, das uns rund um die Uhr berüht. Weshalb also nicht bereits hier mit der Nachhaltigkeit anfangen?

Genau das ist auch der Gedanke von erlich, einem unserer Partner beim Green Blogger Meetup. Seit 2015 produziert das junge Kölner Label Slips, Boxershorts, T-Shirts, Bodys und Co. – gefertigt von einem traditionsreichen deutschen Unternehmen in der Schwäbischen Alb. Im Interview verraten die beiden Gründer Sarah und Benjamin, worauf es ihnen bei ihrer Unterwäsche ankommt.

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Sarah Grohé und Benjamin Sadler, Geschäftsführer von erlich

Was unterscheidet euch von konventioneller Unterwäsche?

Sarah: Wir haben im Grunde mit der Idee angefangen, in vielen Bereichen unseres Lebens darauf zu achten, welche Produkte wir nutzen – sei es nun beim Essen oder bei der Kosmetik. Da ich aus der Modebranche komme, weiß ich, dass es auch hier eine Bewegung gibt, die versucht, das umzusetzen. Ich kenne es allerdings von Unterwäsche noch gar nicht, zumindest nicht mit dem Design, das uns gefällt. Hier haben wir eine deutliche Marktlücke gesehen. Unterwäsche, die zum einen eine junge und stilbewusste Zielgruppe anspricht und zum anderen dafür sorgt, dass man das bei dem, was man so nah an der Haut trägt wie eine Bodylotion, darauf achtet, woraus es besteht und woher es kommt. Diese beiden Punkte unterscheiden uns von vielen Marktteilnehmern. Die Kombination aus jungem und modernen Design und eine nachhaltige Qualität.

Woraus sind eure Produkte genau?

Benni: Die Herrenteile sind überwiegend aus Baumwolle, bei den Shorts ist immer noch ein gewisser Teil Elasthan dabei, damit sie nicht ausleiern und auch noch nach mehrmaligem Tragen so sind, wie man sie sich vorstellt. Die T-Shirts sind einhundert Prozent Baumwolle und die Doppelrippshirts sind sogar aus Bio-Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau. Hier haben wir erst einmal mit einer kleinen Auswahl im Sortiment angefangen, aber auf lange Sicht möchten wir gerne alles auf Bio-Baumwolle umstellen. Bei den Damen sind viele Produkte aus 90 Prozent Modal und zehn Prozent Elasthan, einfach damit sie etwas formstabiler sind. Bei den Doppelrippteilen haben wir eine Verteilung von 50 Prozent Modal und 50 Prozent Baumwolle. Das Sportset ist aus Baumwolle, damit es beim Sport noch angenehmer ist.

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Wie wird die Unterwäsche bei euch denn hergestellt?

Sarah: Wir konnten glücklicherweise einen Traditionshersteller von der Schwäbischen Alb mit unserem Konzept überzeugen. Die machen seit 1927 Wäsche: Sie kaufen die Garne, färben, stricken und nähen selbst. Unsere Sachen werden auch direkt in Albstadt gestrickt, zugeschnitten und auch gefärbt – genäht wird dann in den Exklusivnähereien in Albstadt, in Rumänien oder in Ungarn. Der Hersteller verteilt die Produktion je nach Order dorthin, wo gerade die meiste Kapazität ist und dort werden die Produkte dann genäht.

Wie wichtig ist euch eine faire Bezahlung der Arbeiter?

Sarah: Unser Hersteller selbst ist GOTS zertifiziert. Das heißt, dass auch jede Betriebsstätte regelmäßig von unabhängigen Stellen kontrolliert wird. Hier haben wir auch den Eindruck, dass man sich darauf verlassen kann. Wir selbst waren bereits sechs Mal in Albstadt und konnten uns dort alles ansehen. Das macht sehr viel Spaß und ist wirklich sehr aufregend, auch noch nach so vielen Jahren in der Branche. Es ist spannend, wenn man dort mal durch die Strickhallen läuft. Wir wollen auch gerne noch nach Rumänien und Ungarn. Bisher hat sich das noch nicht ergeben, doch das wollen wir spätestens Anfang nächsten Jahres schaffen. Bei der GOTS Zertifizierung kann man recht sicher sein, dass es auch hält, was es verspricht. OEKO-TEX zertifiziert ist unser Hersteller natürlich auch und ebenfalls im BSCI.

Benni: Wenn man diese drei Komponenten zusammen sieht, kann man dem Produzenten wirklich vertrauen. Wir haben auch gemerkt, dass die Betriebsferien in Rumänien beispielsweise genauso waren wie in Deutschland – da hatten sie drei Wochen lang geschlossen, so wie es sein soll. Ich denke, wir haben mit unserem Produzenten einen echten Glücksgriff gemacht.

Sarah: Ja, Liebe auf den ersten Blick!

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Warum ist euch das Thema Nachhaltigkeit wichtig?

Sarah: Bei mir ist es ganz klar ein persönliches Interesse. Ich habe Modedesign studiert und 2009 mein Diplom gemacht. Danach habe ich eher im Produktmanagement gearbeitet, was ich auch wollte, und habe in Berlin bei einem E-Commerce-Startup angefangen. Es war eine tolle Zeit, aber nach zwei, drei Jahren Startup-Leben mit horrenden Arbeitszeiten und unterirdischem Gehalt kam ich irgendwann an den Punkt, an dem ich mir sagte: „Das alles mache ich nur, um Sachen zu verkaufen, die ich selbst gar nicht unbedingt kaufen würde?“. Wenn man da in den Wareneinkaufskisten steht und es nur nach Plastik riecht oder man sieht, dass Wareneinkaufspreise von 2,50 Euro zu einer Marge von 25 Euro aufgeblasen werden – da war ich einfach persönlich nicht zufrieden und wollte nicht auf Dauer dahinterstehen. Danach habe ich mich stückchenweise an etwas Anderes herangetastet. Zunächst hatte ich überlegt, der Branche komplett den Rücken zu kehren, mich dann aber doch weiterhin für die Mode entschieden. Ich wollte aber etwas verändern, soweit das in meinen Möglichkeiten lag. Vor eineinhalb Jahren bin ich zu Kerbholz gekommen, was schon einmal ein toller Sprung war. Und als dann die Idee für erlich entstand, musste ich nicht lange überlegen!

Benni: Wenn man als Unternehmer tätig sein will, dann finde ich es wichtig, nicht nur auf Geld auszusein. Man will natürlich etwas schaffen, aber dieser Raubbau an der Natur und der Umwelt – so wie die ganz großen Konzerne das machen – ist sehr schwierig. Wir haben nur diese eine Erde und nur begrenzte Ressourcen. Wenn unsere junge Generation immer so weiter macht und jeder nur Profit maximiert, ist das ein Problem. Ich glaube, ein gewisses Umdenken wäre sehr wichtig. Auch zu sagen, man kauft vielleicht mal ein oder zwei Teile weniger, dafür sind sie etwas teuer und man weiß, woher sie kommen. Gerade im Bereich Unterwäsche ist es natürlich sehr schön zu wissen, dass die Stücke nicht von kleinen Kindern genäht oder gefärbt wurden. Wir versuchen, hier viel richtig zu machen und uns nach bestem Gewissen auch immer weiterzuentwickeln. Wenn jemand tolle Vorschläge hat, was wir verbessern könnten und wie wir es verbessern könnten, sind wir da auch immer dran, das zu verändern und zu überdenken. Für mich ist das auch immer wieder das Spannende daran: Einerseits Unternehmer zu sein und andererseits auch der Umwelt und den Mitmenschen etwas zurückzugeben. Man hat ja auch vor, für die nächsten Generationen nicht alles kaputt zu machen.

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Ihr vertreibt die Produkte hauptsächlich über den Online-Shop. Welchen Grund hat das?

Benni: Zum einen wollten wir von Anfang an qualitativ sehr hochwertige Wäsche herstellen. Das aber zu einem Preis, den sich auch jüngere Leute leisten können. Es bringt nichts, ein Unterwäschelabel zu machen und damit etwas für die Umwelt zu tun, wenn die Teile dann so teuer sind, dass sie sich nur eine ganz spezifische Zielgruppe leisten kann. Deshalb haben wir nach einem Ansatz gesucht, der hier funktionieren kann. In manch anderen Bereichen gibt es bereits diese „online only“ Marken. Hierbei hat man den Vorteil, dass man Händlermargen und Vertriebskosten einsparen kann. So können wir den Kunden gute Preise bieten. Für die Qualität, die wir haben, sind wir verhältnismäßig sehr preiswert. Wir wollten preismäßig nie auf das Niveau von H&M, da das auch gar nicht funktioniert. Aber ich denke, dass wir auch so einen Preis gefunden, den sich von jung bis alt jeder leisten kann. Es soll schließlich auch ein Produkt sein, das für die Masse ist, da wir so auch ein Umdenken der Leute erreichen wollen.

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Bei Online-Shops gibt es oft auch ein Verpackungsproblem, hier fallen immer viele Tütchen und Co. an, die oft nicht sehr nachhaltig sind. Wie habt ihr das gelöst?

Sarah: Wir hatten am Anfang ganz tolle Ideen, vom Brotpapier-Beutel bis hin zu allem Möglichem. Leider ließ sich das nicht umsetzen. Wir haben nun auch Plastik-Beutel, die um die einzelnen Teile sind. Aber sie bestehen aus 100 Prozent recyceltem PET. Das war eine Lösung, mit der wir gut leben können. Schließlich müssen sich auch die Preise der Produktverpackungen rechtfertigen lassen und schlagen sich im Zweifelsfall auf dem Produktpreis nieder, deshalb waren viele von den schönen Anfangsideen aus Kostengründen raus. Es macht leider keinen Sinn, nur für die Verpackung das Produkt viel teurer zu machen. 100 Prozent recyceltes PET kann auch dem grünen Punkt wieder zugeführt werden, deshalb ist das eine gute Lösung. Unser Versandkarton, in dem die Produkte liegen, ist aus 100 Prozent recyelter Pappe – kein Seidenpapier, keine tausend Flyer und auch die Rechnung gibt es nur digital und nicht gedruckt. Hier versuchen wir, so wenig Papier wie möglich zu verschwenden.

Benni: Zusätzlich verschicken wir die Sachen mit DHL GoGreen. Für diesen Aufschlag, den man an DHL bezahlt, unterstützt das Unternehmen zum Beispiel Aufforstungsprojekte oder Ausgleichsprojekte, bei denen Windräder errichtet werden. Auch beim Transport wollen wir darauf achten, dass nicht alles so oft hin und her geschickt wird. Wir haben uns mit unserer Größentabelle extrem viel Mühe gegeben und halten die Kunden dazu an, richtig nachzumessen und vielleicht dann erst einmal nur zwei Teile zu bestellen, keine 20, von denen dann 18 wieder zurückgehen. Generell versuchen wir, die Transportwege möglichst kurz zu halten. Die Sachen gehen nach der Qualitätskontrolle in der Schäbischen Alb direkt zu uns ins Lager und dann direkt zum Kunden – ohne große Umwege.

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Vielen Dank für das Interview!

erlich sucht übrigens immer wieder Verstärkung und freut sich über aussagekräftige Bewerbungen. Sie bieten spannende Praktika mit Verütung in einem nachhaltigen Unternehmen. Also versucht gerne euer Glück und schreibt eine Bewerbung, falls ihr Interesse daran habt.

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1 Kommentare

  1. Was für ein spannendes und e(h)rliches Interview! Das hat wirklich Freude beim Lesen gemacht! 🙂

    Vor allem die vielen wertvollen Hintergrundinformationen zu Fertigung, Ideologie und sogar zum Packaging sind für mich sehr wichtig – und nachdem ich nun eine ganze Weile nach guter ökologischer Unterwäsche gesucht habe und vor kurzem auf erlich gestoßen bin, weiß ich spätestens jetzt mit Sicherheit, dass ich dort bleiben werde. 🙂

    Danke für diesen inspirierenden Einblick!

    Liebe Grüße
    Jenni

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